Written by 11:08 Allgemein, Alpe Adria Region, Carinthia, Kärnten, Kärntner Seen, Porträt, Tourismus, Tourismustrends

Traditionshotel im Wandel

Das Traditionshotel Joainig vor Neupositionierung

Der Joainig wird „Das Jo.“: Heide Pichler-Herritsch trimmt das Traditionshotel in Pörtschach auf heutig – und kreiert damit ein Modell für die Transformation im Tourismus.

erschienen im „Kärnten Regional“ der Verlagsgruppe News, 6/22

140 Jahre Tradition. Das ist ein Wert, auf den man bauen kann, auch im Tourismus. Und erst recht in einer Zeit, die von massiver Veränderung und Neuorientierung dieser Branche geprägt ist. Im Traditionshotel Joainig in Pörtschach am Wörthersee soll genau das passieren: Auf den guten Namen des altehrwürdigen Hauses bauen und zugleich frischen Wind hineinbringen.

So lautet jedenfalls die Mission von Neo-Geschäftsführerin Heide Pichler-Herritsch. Eine österreichische Investorengruppe hat das Hotel übernommen und möchte das Haus mit einem durchdachten, nachhaltigen Konzept in die Zukunft führen. Die Tourismusberaterin Pichler-Herritsch managt diese Transformation bis zu deren vollständiger Umsetzung.

Gewissermaßen ist der Joainig ein Testfeld für Innovationen, die im Kärntner Tourismus ganz generell angezeigt sind, Stichwort Digitalisierung, Mixed Use Modelle, Millenial-Tauglichkeit, Attraktivierung für Mitarbeiter, Lebensraumgestaltung. „Die Kernfrage ist: Wie kann man die vielen positiven Emotionen von früher in die Jetztzeit holen?“, sagt sie. Und weiter: „Corona hat im Tourismus vieles grundlegend verändert und manchen Trend beschleunigt. More of the same reicht da längst nicht mehr“.

Workation Trend

Apropos Mixed Use Modelle: davon hätte Kärnten und speziell der Wörthersee ja eigentlich genug. Appartementhotels für Urlauber und Zweitwohnsitzer prägen das Seeufer seit Jahren, viel ist von kalten Betten die Rede. Allerdings scheitert’s oft an der Konsequenz. Pichler: „Um diese gemischten Strukturen langfristig nutzbar zu machen, müsste man die Flächen sauberer zuordnen. Was gehört in der Anlage der Allgemeinheit? Welche Flächen sind wofür notwendig? Und letztlich müssten auch die Eigentümer die Regeln einhalten, indem sie etwa ihre Immobilie nur in fixen Zeiträumen nutzen und ansonsten für Gäste freihalten.“

Ein entsprechend fruchtbares Mixed Use Konzept ist im neuen Joainig geplant: Auf der Freifläche nach Norden hin soll eine Erweiterung entstehen, die Wohneinheiten in verschiedenen Größen, teils mit Kitchenetten, vorsieht. „Das wird auch ein Angebot für die neue Zielgruppe der Workationers, die ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt oft über Monate an einen anderen Ort verlegen“, sagt die Tourismusexpertin. Zwar gäbe es in der Region mit Lakesidepark, Seeport und Co viele Anlaufstellen für Startups, digitale Nomaden und mobile Selbstständige, aber kaum flexible Wohninfrastruktur. Eine Durchmischung der Gästegruppen – Familien und Geschäftsreisende, Pärchen und Workationer – ist künftig im Hotel ausdrücklich erwünscht.

Genauso wie verbesserte Bedingungen für Mitarbeiter, denn die Personalnot in Gastro und Hotellerie ist nun mal Fakt. „Die Region muss in Hinkunft viel mehr als Lebensraum für alle gedacht und gestaltet werden. Vonseiten des Wörthersee Tourismus gibt es mit dem Konzept Central Park Wörthersee dazu schon einen spannenden Prozess“, erzählt Pichler. Am internen Workflow sei sowieso zu feilen, „hier im Hotel etwa, das aus einem Fleischer-Gasthof gewachsen ist, haben wir einen riesigen Gastrobereich mit 650 Plätzen und entsprechend großem Küchenblock. Ein Vermächtnis des Hardware-Wettrüstens der 90er Jahre.“ Aber nun ginge es darum, diese große Struktur zu downsizen, um wirtschaftlich zu bleiben und den Mitarbeiterbedarf überschaubar zu halten.

Das Jo.

„Die Jo Bar“ wird das einst für ausladende Familienfeiern beliebte Joainig-Restaurant künftig heißen. So will Pichler das Gasthaus-Image von früher brechen und dennoch modern-gutbürgerliche Küche garantieren. Das Hotel selbst firmiert ab sofort unter „Das Jo.“ und soll nach einem Soft-Refresh mehr Leichtigkeit und Modernität ausstrahlen. Eine Digitaloffensive in Channelmanagement und Payment-Systemen geht damit einher. „Corona hat die Digitalisierung massiv nach oben geschraubt. Die Gäste haben heute andere Ansprüche an den Ablauf eines Check-Ins oder die Verfügbarkeit von schnellem WLan“, sagt Pichler. Im „Das Jo.“ ist der Aufbau dieser digitalen Strukturen bereits in Gang.

Frischer Wind ist also unterwegs. Möge er nach und nach die ganze Region erfassen.

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