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Die stille Seite des Wörthersees

Ein Rundwanderweg durch die seenahen Wälder offenbart bezaubernde neue Facetten der Region.

erschienen in Kleine Zeitung Reise, April 2021

Wäre der Wörthersee ein Mensch, er wäre wohl einer, der sich gern im Schweinwerferlicht sonnt. Ein Schöngeist und Genussmensch mit Hang zur Exzentrik. Strahlend, selbstbewusst, zappelig. Doch abseits der öffentlichen Wahrnehmung gäbe es ein zweites Gesicht. Ruhiger und verträumt. Ein tiefgründiger Naturliebhaber.

Diese scheue Seite des Wörthersees lässt sich nicht ohne Mühen entdecken. Sie verbirgt sich in den dichten Wäldern, an den Ufern glitzernder Teichlandschaften, auf den Gipfeln sanfter Hügel. Doch sie offenbart sich rasch, sobald man sich auf die Spur des blau-weiß-blau markierten Weges begibt.

Blau-weiß-blau, die Markierung des Wörthersee Rundwanderwegs. Foto: Johanna Wohlfahrt

Das charmante Hinterland des Wörthersees

Der Wörthersee Rundwanderweg bietet eine 55 Kilometer lange Tour einmal rund um die vielzitierte größte Badewanne Österreichs. Weitgehend unbefestigt führt der Pfad die Wanderer immer wieder weg vom plakativen Blickfang des türkisen Wassers und nimmt sie mit ins charmante Hinterland des Wörthersees. Dorthin, wo urige Bauernhöfe, alte Schlösser oder schmucke kleine Kapellen von der eigentlichen Herkunft dieser Region erzählen. Und er ist gerade jetzt, im aufkeimenden Frühling, eine Entdeckung wert.

Die Rundtour zergliedert sich in vier Etappen, gut verteilt auf Nord- und Südufer in jeweils 11- bis 18-Kilometer-Einheiten. Immerhin 1.400 Höhenmeter kommen auf dem Gesamtverlauf zusammen, obwohl der höchste Punkt – der Pirkerkogel am Nordufer – auf nicht mal 700 Meter Seehöhe liegt. So wandert man dahin im angenehm kupierten Gelände, hantelt sich weiter zwischen herrlichen Aussichtspunkten, gemütlichen Rastplätzen, verwunschen Waldstücken und meditativen Teichkulissen.

Der gesamte Wegverlauf ist bestens beschildert, auch die Abzweigungen hinunter in die Ortszentren, von wo man per Schiff, Bahn oder Bus wieder zurück zum Startpunkt kommen kann, sind kaum zu verfehlen.

Der Weg ist gespickt mit herrlichen Aussichtspunkten. Foto: Johanna Wohlfahrt

Nordufer mondän, Südufer mystisch

Die Landschaft verändert stets ihren Charakter. Entlang des Nordufers spaziert man in der Tradition der Wiener Sommerfrischler um 1900, vorbei an Schloss Drasing oder der Ruine Leonstain zu erhabenen Panoramapunkten wie der Hohen Gloriette oder dem Pavillon Karawankenblick. Das Südufer dagegen ist wilder.

Weniger von Wanderern bevölkert, dafür mit fast mystischen Highlights wie dem idyllischen Trattnigteich, den sagenumwobenen Teixlkreuzen, den Spintikteichen. Einmal rundherum reicht, um den Wörthersee in einem ganz neuen Licht zu sehen. Immer noch schillernd und schön. Aber um viele bezaubernde Facetten reicher.

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