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Tschüss Nebel!

Neues aus der Selbsthilfegruppe der Nebelphobiker: Zehn flotte Sonnengipfel rund ums nebelgraue Klagenfurter Becken.

modified version einer Reportage im Kärntner MONAT, November 2018

Bitte nicht schon wieder Inversionswetterlage! Oben strahlend schön und warm, im Klagenfurter Becken bleibt der Nebel, der vom See aufsteigt, träge hocken und überzieht die Landschaft mit einem klirrenden Film aus Frost.

Lustig ist das nicht. Spätestens ab Nebeltag vier oder fünf hilft kein Johanniskrauttee, kein Tischsolarium und kein positives Denken mehr. Da bleibt nur die Flucht nach oben – zu sonnenbeschienenen Hügeln, Gipfeln und Kuppen.

Als Nebelphobikerin waren die Herbst- und Wintermonate der vergangenen 25 Jahre (pff, so lang lebe ich schon in Klagenfurt) geprägt von detektivischem Erforschen sonniger Ausflugsziele in der näheren Umgebung. Da hat sich was zusammengesammelt.
Deshalb hier meine Top-Ten der Nebelfluchten rund ums Klagenfurter Becken. Mitsamt kulinarischen Hinweisen und Wanderempfehlungen.

1 Ulrichsberg. Der Naheliegende.

Der „Mons Carantanus“, sowas wie der Urberg Kärntens. Bei Inversionswetterlage oft nebelfrei. (c) Ed Wohlfahrt

Der „Ulle“ kann an Nebeltagen ein Lotteriespiel sein: Meist ist’s oben strahlend, manchmal allerdings krallt sich die Nebelhaube genau am Gipfel fest. Einen Versuch ist der knapp über 1.000 hohe Mons Carantanus allemal wert, weil: so nah und so aussichtsreich. Am besten man startet von Pörtschach am Berg oder von Stegendorf. Die Beschilderung ist eh von allen Seiten tadellos, alle Wege führen zur Sonnentankstelle an der Ruinenmauer ganz oben.

Und wenn man schon da ist: Am Südhang des Ulrichsbergs in Stegendorf steht bekanntermaßen das Weingut Karnburg, wo ab dem späten Nachmittag im dazugehörigen Restaurant Leiten nicht nur eigene Weine, sondern auch feine saisonale Küche auf den Tisch kommen. Perfekt zum Ausklingen eines freien Tages.

2 Magdalensberg. Der Platzhirsch.

Life is easy – über der Nebelsuppe auf dem Magdalensberg. (c) Johanna Wohlfahrt

Die wohl populärste Nebelflucht vom Klagenfurter Becken aus. Entsprechend gut besucht bis überfüllt ist der Gipfel des knapp 1.060 Meter hohen Bergleins. Aber das Angebot stimmt halt: Die Küche im Gipfelgasthaus Skorianz ist bodenständig-gut und der Service unerwartet flott und professionell – sofern man einen Platz bekommt. Streichelzoo und Spielplatz machen den Ort auch für Kinder attraktiv.

Beste Art dort hinzukommen: Beim geschotterten Parkplatz vor der Abzweigung nach Göriach Auto abstellen und vorbei am Marterl über Wiesen und durch den Wald knapp eine Stunde hinauf wandern. Meist ist man ab dem ersten Schritt schon über der Nebelgrenze – und das Schnitzel oben ist dann zumindest ansatzweise verdient.

3 Christofberg. Magdas kleiner Bruder.

Sonnenuntergang überm Nebelozean am Christophberg (c) Johanna Wohlfahrt

Der kleine Bruder des Magdalensberges: Ziemlich verlässlich über der Nebelgrenze, wenn an manchen Tagen auch nur hauchdünn. Wer sich gern bewegt, kann sehr schön von halber Höhe des Magdalensbergs (Schotterparkplatz) zum Christofberg marschieren. Rund eineinhalb Stunden führt der Wanderweg ohne großartige Steigungen erst durch Göriach, dann durch eine lange Waldpassage. Einkehren beim Gasthaus Succaglia ist natürlich Pflicht, der Aussicht und der hausgemachten Köstlichkeiten wegen. Die Fleischnudeln beim Succaglia mögen optisch kein Augeneindrücker sein, geschmacklich aber sind sie un-er-reicht.

4 Radsberg. Das Paradies.

Der fotogene Birnbaum bei Schwarz: Zwischenrastplatz und Aussichtspunkt zugleich
(c) Johanna Wohlfahrt

Am Plateau des Radsbergs, das ist eine andere Welt, nur 10 Autominuten vom Klagenfurt City entfernt. Zweisprachige Ortschilder, einschichtige Bauernhöfe und eine Wald- und Wiesenidylle wie aus einem Heimatfilm der frühen 50er. Manchmal wart ich nur drauf, dass Rudolf Prack im Försterkostüm vor mir von einem Hochsitz springt.

Jedenfalls gibt’s dort eine meiner Lieblings-Nebelfluchten, weil ein Postkartenmotiv das nächste jagt: Ausgehend vom Höflein-Moor führt der Weg über den Rand von Wiesen und Feldern zu einem einsam auf einem Hügel stehenden Birnbaum, samt Bankerl und Tiefblicke ins Rosental. Außer es ist Nebelzeit, dann wabert die Nebelsuppe knapp unter der Radsbergkante vor sich hin. Zurück geht’s durch das Dörflein Schwarz wieder übers Moor. Ein landschaftlich abwechslungsreicher Rundweg für Sonnenjunkies.

5 Plöschenberg. Der Unkomplizierte.

Der Rauschelesee, hier im Winterkleid, liegt dem Plöschenberg zu Füßen. (c) Johanna Wohlfahrt

Noch so ein Überm-Nebelmeer-Klassiker im Klagenfurter Raum, bevorzugt von Menschen, die allzu kurvige Bergstraßen lieber meiden. Auf den Plöschenberg geht’s von Rotschitzen aus relativ geradlinig und sanft per Auto, bevors per pedes oben am Sonnenplateau weitergehen kann.

Vor- und Nachteil zugleich: Man kann ganz nah am Landgasthof Plöschenberg parken – und wenn man nicht willensstark genug ist sofort einkehren. Die Sonnenterrasse mit Blick ins Rosental und auf die Karawanken ist eigentlich schon ein Ausflugtipp für sich, der Spielplatz taugt auch dem Nachwuchs. Andererseits: Ein lockerer Spaziergang entlang des Höhenrückens bis nach Wurdach hat auch seine Reize.

Mehr Futter für den Schrittzähler bietet der Zwergohreulenweg, eine gut einstündige Rundtour. Entlang von Wiesen und durch lichte Wälder wandert man gut beschildert auf den Spuren der dort beheimtatenen Zwergohreule. Und mit viel Glück sieht man sogar eine.

6 Diex. Die Sonnenbank.

Diex. Ein Sonnenort, in dem sich auch zähe Nebelbänke lichten (c) Johanna Wohlfahrt

Wenn ein Dorf sich schon Sonnenort nennt, muss man in den Nebelmonaten hin. Punkt. Mit weit über 2.000 Sonnenstunden pro Jahr ist Diex das sonnenreichste Bergdorf Österreichs. Die Doppelturm-Wehrkirche ist sehenswert, die Gastronomie, zum Beispiel der Messnerwirt im Ort, ehrlich und bodenständig.

Vom Parkplatz vor der Feuerwehr kann man in gut einer Stunde den Sapotnigofen erklimmen, ein Felsvorsprung, der unverhoffte Weitblicke auf den Ort und das ganze Jauntal freilegt. Durch den Wald führt der Rundwanderweg wieder zum Ausgangspunkt. Frischluft-Mission accomplished.

7 Bodental. Das Märchenland.

Die Nebelschwaden bleiben im Bodental dezent im Hintergrund – als Hauberl der Karawankengipfel
(c) Johanna Wohlfahrt

Dieser märchenhafte Talschluss ist im dunklen Halbjahr ein Sehnsuchtsort für Sun-Seekers. Für den Anfang kann man einfach mal das gemächliche Pendeln entlang der Schotterstraße von einem Gasthaus (Sereinig, Parkplatz) zum anderen (Bodenbauer) ausprobieren. Am Weg liegt das geheimnisvolle türkisblaue Meerauge. Kinder lieben die kruden Geschichten über seinen Ursprung. Und Erwachsene shooten angesichts des Farbenspiels hier oft ihren Handyakku leer. Wer mehr Frischluft benötigt: Ein verlängerter Rundweg, der den südlichen Berghang mitnimmt, ist die gut beschilderte Tour „Märchenhafte Ausblicke“.

Wenn der Hunger kommt: Der Bodenbauer kredenzt ehrliche Hausmannskost aus selbst produzierten Lebensmitteln. Unter uns: An diesen Schweinsbraten kommt kein anderer heran. Gutbürgerliche Küche am Sonnenhang gibt’s beim Gasthaus Laussegger, ebenfalls wärmstens zu empfehlen, besonders weil man spätestens an schönen Febertagen schon auf der Sonnenterrasse sitzen kann.

8 Saulam. Sanfte Riesin.

Am großen Sauofen lässt sich aufs Nebelmeer hinabblicken (c) Johanna Wohlfahrt

Die dreiviertel Stunde Anfahrt von Klagenfurt auf die Saualm über Eberstein zahlt sich aus. Aus drei Gründen. Erstens: Die Druckerhütte, wo’s die besten Kasnudeln ever gibt. Zweitens: Der Große Sauofen, ein heroischer Gipfelsieg nach überschaubaren eineinhalb Stunden Aufstieg. Und drittens, logisch: Die Sonnengarantie, wenn’s in Klagenfurt fies aus dem Bodennebel nieselt.  

Vom Parkplatz Druckerhütte aus lassen sich mit wenigen Schritten drei ziemlich mystische Platzerln erkunden. Der „Tote Hengstofen“, ein vorgeschichtlicher Kultstein mit eingehauenen Schalen. Der Kupplerbrunn, eine Art „Herzblatt“-Quelle von anno dazumal. Oder die Kugelfichte, eine richtig imposanter Baumriese.

9 Kraigerberg. Der Südbalkon.

Das war arschknapp letztens am Kraigerberg. Aber wir hatten Sonne!
(c) Johanna Wohlfahrt

Wenn der Magdalensberg zu bevölkert ist und der Ulrichsberg im Nebel versinkt, investiere ich noch ein paar Autokilometer und fahre auf den Kraigerberg. Dieser Bergrücken oberhalb von St. Veit ist evangelisches Homeland, hierher zogen sich die Luther-Anhänger in Zeiten der Gegenreformation zurück.

Und sie haben sich das nicht so schlecht ausgesucht. Der Kraigerberg ist in der Regel nebelfrei und der Bierbichlweg, der vom Parkplatz vorm Gasthaus Raunig einmal um den Kogel führt, ist eine gemütliche Frischluft-Sonnen-Runde. Danach aber sollte man einkehren beim Raunig. Wegen Kaffee, Haustorte, den freundlichen Wirtsleuten und dem genialen Rundumblick auf die Unterkärntner Sonnengipfel.

10 Schrottkogel. Der Quickie.

Die Aussicht vom Schrottkogel, ein paar Minuten vom eigentlichen Gipfel entfernt, ist spektakulär.
(c) Johanna Wohlfahrt

Bei rund 100.000 Einwohnern in Klagenfurt kann man sich ausrechnen, dass die nahen Hügel- und Bergspitzen, die aus dem Nebel ragen, täglich schwerst überlaufen sind. Menschenherden, die zur Sonne drängen: Nicht zielführend in Zeiten von Covid-19, sonst aber auch nicht erstrebenswert.

Ich steh dazu, ich will Sonne, Wald, Natur am liebsten für mich alleine. Und ich habe nach langem Herumstreunen in meinem Stadtviertel einen hidden Sonnenplatz am Stadtrand von Klagenfurt gefunden: Ein Kogel, der bisher weitgehend unterm Radar der Kreuzbergl-Kenner und Magdalensberg-Pilger geblieben ist. Ein Berglein, dass über die steile Route genommen sogar ein paar hundert Höhenmeter und damit so etwas wie ein Workout hergibt. Mit einem Gipfel, der in, naja geschätzten 8 von 10 Fällen aus der Inversions-Nebelsuppe herausragt.

Ob er das am gewählten Tag tatsächlich tut, lässt sich übrigens leicht auschecken, den Erfindern der Landschafts-Webcams sei Dank. Man klicke hier auf die Webcam des Pyramidenkogelturms (auch ein Sonnenort übrigens, wenn auch ein sehr touristischer) und suche den „Schrottkogel“.

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