Written by 10:42 Allgemein, Bergwelt Kärnten, Carinthia, Instagram, Kärnten, Kärntner Seen, Landschaftsschönheit, Wandern

Kärnten für Instagrammer

Aussichtspunkt Karawankenblick am Wörthersee Rundwanderweg

Instagram ist für viele Inspirationsquelle für den nächsten Urlaub. Und wer sich dort genauer umschaut, findet auch in Kärnten so manches verborgene Juwel.

erschienen im Alpe-Adria-Magazin, Mai 2020

Es gibt da diesen markanten Berggipfel in der Reißeckgruppe mit dem noch markanteren Namen: Böse Nase. Quasi schräg darunter ist die Autorin dieser Zeilen aufgewachsen. Konnte schon als Kleinkind mit ausgestrecktem Zeigefinger zielsicher auf die Bergspitze deuten. Allein ihr Name fachte die kindliche Fantasie an.

Doch die Idee, da mal raufzusteigen, entstand erst knapp 40 Jahre später. Genauer: Seit diesem einen Foto auf Instagram, das die Wahnsinnsaussicht von dort oben über Millstätter See, Nockberge, das untere Drautal bis hin zu den Karawanken zeigt, darüber tiefblauer Himmel. Seit damals ist die Böse Nase ein ganz persönlicher Sehnsuchtsort. Geübte Instagrammer würden jetzt #hikinggoals hashtaggen.

Aber zoomen wir heraus aus dem Mikrokosmos eines einzelnen und so gewöhnlichen Lebens. Erfahrungsgemäß geht’s nämlich eh allen anderen gleich. Jeder Instagram-User hat sicher seine eigene Böse Nase. Ganz viele Menschen eben, die sich auf der Fotoplattform für Freizeit und Urlaub inspirieren lassen, deren Fernweh sich an einem wundervollen Foto entzündet und im festen Vorsatz endet: DA will ich hin!

Social Network der Sehnsuchtsorte

Zahlen belegen diese Sehnsuchts-Dynamik bereits. In einer groß angelegten Instagram-Umfrage aus 2017 gaben 48 Prozent der Teilnehmer an, dieses soziale Netzwerk unterwegs zu nutzen, um sich über die nächste Reise-Destination zu informieren.

Ein Drittel nutzt Instagram zur Inspiration und um neue Orte zu entdecken. „Die Plattform hat einen immensen Einfluss auf die Urlaubsentscheidung der neuen Generation“, meint Renate Leitner, Leiterin der Socialweb-Agentur aus Innsbruck. Vor allem sind die genannten Prozentwerte hochinteressant angesichts der überwältigenden Grundgesamtheit: Mittlerweile zählt Instagram rund eine Milliarde Nutzer weltweit, allein in Deutschland sind’s 20 Millionen,

Österreich hat seine Nutzerzahlen in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt und liegt nun bei 2,4 Millionen. Die Nutzer sind überwiegend sehr jung. Über 60 Prozent sind aktuell zwischen 18 und 24 Jahre alt, 90 Prozent unter 35. Da gibt es – vor allem was die Langfrist-Perspektive angeht –  wahrlich schlechtere Zielgruppen im Tourismus.

Instagram-Star Wörthersee

Alle denk- und machbaren Seeansichten, viele Sonnenuntergänge, stimmungsvolle Gegenlichtaufnahmen, dazwischen immer wieder Ikonisches wie der Pyramidenkogel, das Seepanorama von der Hohen Gloriette, das Badehaus der Villa Schnür, die Schlangeninsel als Drohnenaufnahme: Der Wörthersee ist ein Insta-Magnet und die Region weiß dies zu bedienen – mit einem der erfolgreichsten Insta-Profile unter Kärntens Tourismusregionen: @visitwoerthersee.

Über 11.000 Abonnenten lassen sich seit 2014 beinahe täglich zu einem visuellen Kurzurlaub am See verführen. Täglich werden es mehr. „Wir erkennen schon den Trend, dass immer mehr Follower uns in Bildern oder Insta-Stories markieren. Wenn die Leute ein schönes Bild machen, möchten sie auch, dass wir das mitbekommen“, sagt Tina Loigge, die den Account gemeinsam mit zwei Kolleginnen betreut. Teils machen sie die Fotos selbst, teils werden sie von Usern zur Verfügung gestellt. „Wir wollen ein Bilderbuch vom Wörthersee zeigen, das Lust darauf macht, diese Ansicht selbst und live bei uns zu erleben“, sagt Loigge.

Inwieweit solche Schmacht-See-Fotos schon buchungsentscheidend sind, wurde noch nicht im Detail erhoben. Der Anstieg der Follower in den vergangenen drei Jahren – von 1.600 auf über 11.000 – ist jedenfalls bemerkenswert.

Fotos mit Sogwirkung

Aber fragen wir die einzelnen Instagrammer doch selbst, wonach sie suchen. Bernhard Knoll zum Beispiel, dessen Profil @berni_running_4_life ein Wörthersee-Panoptikum par excellence ist. Als Trailrunner schießt er seine Fotos quasi im Vorbeilaufen und spart in der Nachbearbeitung nicht mit Farbe. „Ich versuche, die einzigartigen Stimmungen an den verschiedenen Orten einzufangen“, erzählt er.

Extreme Lichtspiele zu gewissen Jahres- und Tageszeiten und ein Gewässer – meist eben sein Lieblingsmotiv Wörthersee – am Foto kommen besonders gut an. „Die Rückmeldungen zeigen, dass diese Bilder die Sehnsucht der Menschen wecken. Besonders bei Kärntnern, die weggezogen sind.“

Einer, der sich dagegen auf die Kärntner Bergwelt spezialisiert hat, ist der Gailtaler Daniel Fischer. Sein Profil @danielfischer.photo strotzt nur so vor schroffen Gipfeln, türkisen Gebirgsseen und Bergpanoramen im Sonnenuntergang.

Dazwischen immer wieder seine offensichtlichen Lieblingsberge: Der Dobratsch und der Mangart. „Reisen“, so der leidenschaftliche Landschaftsfotograf „muss ich eigentlich nicht, die Gailtaler-, Karnischen- und Julischen Alpen liegen vor meiner Haustür und bieten alles, was ich brauche.“ Er ist einer, der für ein gutes Foto vor Ort einfach viel ausprobiert und gerne mal die Perspektive welchselt. Und ja: Er lässt sich gerne auf Instagram für künftige Reisen und Foto-Hotspots inspirieren.

Instagrammable Carinthia

Derer gibt’s ja auch in Kärnten zur Genüge. Unsere Gespräche mit den genannten und anderen Instagrammern ergaben ein paar eindeutige Motiv-Favoriten. No-na den Wörthersee, vorzugsweise in Sonnenuntergangsstimmung. Manche suchen nach unüblichen Ansichten wie Panoramablicke vom Wörtherseerundweg aus oder Aufnahmen aus dem Abseits wie am Lendspitz.

Dann den Dobratsch, vor allem die fotogene und abwechslungsreiche Westseite. Landschaftliche Besonderheiten wie den Wildensteiner Wasserfall oder das Meerauge im Bodental. Bauwerke samt Landschaft wie der Troadkasten am Magdalensberg oder der Pyramidenkogelturm. Einladende Fotopoints wie die Aussichtsplattform am Zwergsee-Slowtrail oder das Granattor. Und ausgefallenere Bergklassiker wie Mittagskogel, Gartnerkofel, Mirnock, Saualm oder Hochobir.

Wobei: Ja, es besteht die Gefahr, dass das eine oder andere herrliche Platzerl plötzlich großen Zulauf bekommt. Das räumt sogar die Österreich Werbung auf ihrem Blog ein: „Es ist gar keine Seltenheit, dass ehemalige Geheimtipps via Instagram breite Bekanntheit erlangen. Der Pragser Wildsee ist so ein Beispiel.“

Aktuell zeigen knapp 300.000 Fotos unter dem Hashtag #lagodibraies das Naturidyll inmitten der Südtiroler Dolomiten. „Und täglich werden es mehr. Genau wie die Anzahl der Gäste. Bislang unentdeckte Orte werden so zu Instagram-Wallfahrtsorten.“  

Touristische Bilderwelten

Neue Gäste anzuziehen, davon träumen logischerweise touristische Betriebe. Und manchen gelingt es, Ikonisches zu etablieren. Der Infinity-Pool am Feuerberg ist so „instagrammable“, dass der Acoount zusammen mit einer durchdachten Strategie und einer konsequenten Contentplanung quasi zum Selbstläufer wurde.

Über 14.000 Follower zählt das Profil, wohl das erfolgreichste Hotel-Instaprofil Kärntens. „Instagram dient ja als Inspirationsquelle für den nächsten Urlaub. Ob aufgrund unseres Kanals neue Gäste kommen, ist schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall ist unser Unendlichpool ein begehrtes Fotomotiv auf Instagram. Viele Gäste markieren uns auf ihren Bildern“, sagt Marie Ogris vom Feuerberg-Team. Die Entscheidung, den Kanal zu nutzen, fiel leicht: „Unser Betrieb arbeitet hauptsächlich mit Bildwelten und daher ist Instagram optimal, um die wunderschönen Fotos mit den Followern zu teilen.“

Zum Erfolg auf Instagram können ganz unterschiedliche Strategien führen. Das Insta-Profil des Biohotels Daberer in St. Daniel beispielsweise wird ausdrücklich „ausgedacht, geschrieben, fotografiert, kuratiert von mir, Marianne“, wie die Chefin des Hauses, Marianne Daberer, ihre Follower wissen lässt. Drei, vier Postings pro Woche aus Hotel und Urlaubsregion im Gailtal mündeten mittlerweile in fast 9.000 Follower. Ähnlich hoch, wenn nicht höher, ist die Postingfrequenz vom Hochschober auf der Turrach mit fast 7.0000 Followern. Und auch am mit Laufkundschaft so verwöhnten Wörthersee gibt’s immer mehr Betriebe, die Instagram für sich entdecken. Das „Saag Ja“ mit 3000 Followern beispielsweise, etwas drunter liegen Seefels, Werzers oder Schlosshotel Velden.

Ikonen schaffen

Obwohl es nicht leicht ist, was Unverwechselbares zu schaffen auf Instagram. Social-Media-Expertin Renate Leitner verrät: „Österreichs Destinationen präsentieren sich auf Instagram oft mit allzu ähnlichen Bildern. Ein schöner See, ein tolles Landschaftsfoto, das aus einem Imagekatalog stammen könnte: Die Bilder sind durchwegs austauschbar. Eine Destination unterscheidet sich damit nur unwesentlich von einer anderen.“

Ihr konkreter Tipp: „Ein Erkennungsmerkmal kann dabei helfen, dass eine Destination ein unverkennbares Gesicht für die Betrachter erhält.“ Dafür brauche es Mut zur Kreativität und Inszenierung. Und sie nennt ein gelungenes Beispiel: Den offiziellen Insta-Auftritt der Kärnten Werbung, @visitcarinthia mit derzeit über 20.000 Followern.

User generated Carinthia

Wobei: Auch hier machen Einzelne, also Urlauber und begeisterte Einheimische, die Qualität. Und nicht etwa ein in sterilen Agenturbüros ausgedachter Content-Schlachtplan. „Wir stellen auf unserem Account ausschließlich User Generated Content, dar“, sagt der Social-Media-Verantwortliche der Kärnten Werbung, Michael Hartenberger. Nur Fotos und Videos also, die von „frei laufenden“ Instagrammern zur Verfügung gestellt werden. Keine Influencer, keine Marketingmaschinen: „Es besteht keine Kooperation mit Instagrammern, die Bilder werden nach ihrer Qualität ausgewählt. Reichweite oder Bekanntheit der Profile sind hier nicht die ausschlaggebenden Kriterien.“

Auf die passenden Bilder wird die Kärnten Werbung aufmerksam, sofern sie mit #visitcarinthia getagged worden sind. So, sagt Hartenberger, könne man aktuellen, authentischen Inhalt zeigen. Auch wenn, und so ehrlich muss man sein, manches Foto stark nachbearbeitet und mancher Gipfel wohl nicht für jeden Halbschuhtouri ohne weiteres erreichbar ist.

Es ist freilich zu befürchten, dass das auch auf die Herrlich-Fotos vom Gipfel der Bösen Nase zutrifft. Sicher kann man halt erst sein, nachdem man selbst oben war, es wird nix helfen. Oder, wie die Instagrammer es nennen: #challengeaccepted.

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