Written by 16:40 Allgemein, Carinthia, Kärnten, Wellness & mehr, Yoga

Yoga Hot Spots im Süden Österreichs

Fast jeder macht Yoga, immer öfter auch im Urlaub. Gerade Kärnten entwickelte sich für Praktizierende in jüngster Zeit zum Retreat-Hotspot. Mit breit getrommelten Events, aber auch sehr exklusiven Insideradressen.

erschienen im Alpe Adria Magazin, November 2018

Wir sagen mal so: Lieber in den Hund gehen als vor die Hunde. Von den tausenden Möglichkeiten, ein paar freie Tage woanders zu verbringen, ist so eine Yogaauszeit wohl eine mit richtig viel Entstressungsfaktor. Das wissen erprobte Yogis und Yoginis (also männliche und weibliche Yogaübende) natürlich längst. Und das sollten auch Newcomer in Betracht ziehen. Denn es stimmt schon: Yoga boomt. Und für immer mehr Menschen ist es nun auch eine ernsthafte Urlaubsvariante.

Nachfrage steigt, Angebot auch

„Wir haben das Thema Yoga bei uns im Haus über die vergangenen zwölf Jahre auf- und ausgebaut. Zuerst gab’s nur einzelne Yogastunden, nun bieten wir eine Reihe von Retreats im Jahreslauf. Unser Angebot steigt, die Nachfrage ebenso“, bestätigt Marianne Daberer vom Biohotel Daberer in St. Daniel im Gailtal. Das hört man so ähnlich immer wieder. „Die Zielgruppe hat sich vergrößert. Yoga ist in den letzten Jahren ja auch allgemein populärer geworden“, beobachtet man im Hochschober auf der Turrach. Beide Hotels sind in der Szene der Yogaurlauber wohlbekannt und gut gebucht. Vor allem, weil hier oft mehrere Ich-tu-mir-Gutes-Angebote kombiniert werden. Beim Daberer yogieren die Gäste, während sie basenfasten. Die „Yoga-am-Berg“-Pakete beim Hochschober werden beispielsweise kombiniert mit Detox oder Wandern. Das alles kommt dem yogischen Grundgedanken schon ziemlich nahe. Nachdem Yoga im Sanskrit für „Verbindung, Einheit“ steht, geht’s vorrangig darum, zur Natur – eben auch zu seiner eigenen Natur – zurückzufinden. Stellt sich bloß die Frage: Wie funktioniert das? Was überhaupt ist Yoga? Mindset, Sport oder gar Religion? Monika Struber von Yoga-Austria, dem Berufsverband der Yogalehrer, antwortet auf die Bitte einer möglichst simplen Erklärung: „Yoga hilft uns, achtsamer zu werden und bewusster zu leben. Es führt uns zu all dem, was man in sich selbst entdecken kann.“ Das passiert über die drei Hebel Körperübungen (Asanas), Atemtechnik, Meditation. „Yoga hat sportliche Aspekte und teilt Ideen mit manchen Religionen, ist aber selbst keine“, so Struber weiter. Yoga wirkt, wenn man es intensiv praktiziert, auf viel mehr Ebenen als auf der körperlichen. Es ist ein bisschen wie sich selbst aufräumen: Blockaden lösen sich, Kraft wird freigesetzt, der Atem als Werkzeug für Entspannung entdeckt, neue Perspektiven eröffnen sich. Und spätestens jetzt sollte das Gespräch auf das spezialisierteste Yogahotel Kärntens kommen: Das Soami in Obermillstatt.

Foto: Unsplash/Hans Vivek

Transformation statt „nur Urlaub“

Obwohl. In der schnöden Hotel-und-Urlaub-Ecke will Soami-Chef Werner Biller sein Haus nicht verstanden wissen. „Unsere Retreats sind wie ein Reset-Knopf. Bei uns findet kein Urlaub statt, sondern ein Transformationsprozess.“ Dafür sorgt das 17-Zimmer-Hideaway einerseits schon infrastrukturell. Im Soami haben Handy, TV und Radio totale Sendepause. Chefin Hildegard Biller ist Ernährungstherapeutin und kocht ausschließlich vegan. „Bei uns gibt’s keinen Kaffee, keinen Alkohol, keinen Zucker, keine Nachtschattengewächse. Meine Frau lässt nur beste Bio-Zutaten in die Küche. Jedes Gemüse ist handgeschnitten. Die Qualität ist uns so wichtig, dass wir nicht auf die Einkaufspreise schauen.“ Im Rahmen von Retreats – Herr und Frau Biller sind jeweils ausgebildete Yogalehrer und Psychotherapeuten – wird bis zu vier Stunden täglich Yoga praktiziert. „Das bringt natürlich auch psychisch einiges in Bewegung“, meint Biller, „und wir sind fachlich qualifiziert, um auch diese aufpoppenden Themen mit den Gästen zu bearbeiten.“

So passiert’s, dass Retreat-Gäste das Soami am beschaulichen Millstätter Berg nach einer Woche ziemlich runderneuert wieder verlassen. Sie kommen „aus der ganzen westlichen Hemisphäre, von Europa über USA bis Australien“. Aus der Region hingegen verirren sich nur ganz wenige hin. Das könnte damit zu tun haben, dass so eine Woche erst um die 1.700 Euro zu haben ist, mutmaßt Biller. Oder dass man große Offenheit mitbringen muss. Oder dass er und seine Frau noch nie seit der Eröffnung 2009 auch nur einen Euro in Werbung investiert haben. Die gute Mundpropaganda bringt verlässlich genügend Gäste aus aller Welt.

Foto: Unsplash/Ksenia Makagonova

Und die sind – im Soami wie überall anders auch – zu 90 Prozent weiblich. Die Scharen an jungen bis gereifteren Damen, die an den Pfingstwochenenden der letzten zwei Jahre die Wörthersee-Region bevölkerten, hatten ebenfalls mit Yoga zu tun. Konkret: Mit dem „Namaste am See“-Yogafestival am Wörthersee. Dieses wuchs laut Regionssprecher Mario Schönherr schon im zweiten Jahr seines Bestehens zum größten in ganz Österreich. Und das, obwohl das Gasteinertal schon seit mehreren Jahren im Frühling und Herbst Yogatage zelebriert. Doch der See ist als Kulisse noch ein Stückerl attraktiver. Und: Viele Betriebe um den See sind bereits mit Packages an Bord, ein für alle offener Yogastundenplan zieht das Thema über den ganzen Sommer, der Yogaweg durch den Veldener Teufelsgraben oder organisierte Yogawanderungen machen den neuen Fokus der Region glaubwürdig. Der Trend ist da, die Zielgruppe hochinteressant: „Wir wollen die urbanen Yoginis ansprechen, die nach Selfness suchen und sich die Yogaangebote am Wörthersee auch leisten wollen“, erklärt Schönherr. Weniger also die esoterischen Althippies, mehr die hedonistische Instagram-Fraktion. Die hat praktischerweise einige Szenegurus, denen sie treu ergeben folgt. Also sind im Line-Up der Yogalehrer am See immer genügend internationale Community-Stars vertreten. Ihre Groupies kommen dann automatisch.

„Wenn ein Hotel schon für sein Yogaangebot bekannt ist, wird es dort in aller Regel auch ordentlich gemacht.“

Aber als Anfänger und Erstes-Mal-Retreater: Woher soll man wissen, was man kriegt? Mit welchem Yogalehrer die Chemie stimmen könnte? Christian Werner, Herausgeber des Relax-Guides, hätte da ein paar Tipps: „Gute Yogalehrer sind googlebar, also am besten vorrecherieren. Wenn das gut ausschaut, trotzdem die Erwartungshaltungen dämpfen. Yoga in all seinen Facetten erlernt und erfährt man nicht binnen drei Tagen. Aber: Tolle Impulse sind allemal drin.“ Er selbst hatte seine besten Yoga-Auszeiten bei indischen Lehrern, „es macht viel Unterschied, wenn jemand aus dem Yoga-Kulturkreis kommt und das schon von Kindesbeinen an betreibt.“

Bei der Auswahl des Hotels rät der Wellness-Fachmann: „Wenn ein Hotel schon für sein Yogaangebot bekannt ist, wird es dort in aller Regel auch ordentlich gemacht.“ Sein persönlicher Favorit ist das Hotel Die Wasnerin in Bad Aussee, die haben sogar ein Yoga-Kompetenzentrum im Haus.

Wichtig sei die Atmosphäre, um zur Ruhe kommen zu können. Also lieber ein Haus weg vom Trubel der Stadt, mit passender Infrastruktur wie einem großzügigen, gut ausgestatteten und stimmungsvollen Yogaraum. „Am besten ist es sicher, wenn man Yoga mitten in der Natur praktizieren kann.“ Auf einer Wiese oder mitten im Wald, wo sich das Gefühl der Verbundenheit mit dem Rest der Welt ganz von selbst einstellt. Denn wie wir hörten, ist das ja der eigentliche Zweck von Yoga. Oder er sollte es zumindest sein.

Close